Starkes Theater: Röthaer Stadtraben überzeugen

Das Geschlecht derer von Pflugk tauchte 763 nach Christus erstmal auf. Ab 1473 besaß die Adelsfamilie Rötha. 1592 übernahm die Familie von Friesen die verschuldete Stadt. Was sich während dieser Zeit zugetragen haben könnte, das erzählten die Stadtraben am späten Sonnabendnachmittag auf der sonnenüberfluteten Bühne am Rand der Schlossparkwiese. Die Zutaten für die zwei überaus vergnüglichen Theaterstunden waren vielfältig.

Da war zuerst ein mit unermesslichem Fleiß in vielen Monaten erarbeitetes Drehbuch, für das sich Gabriele Richter auf die Ahnenforschung eines Nachfahren der Familie von Pflugk stützen konnte. Da waren Darsteller aus der Mitte der Röthaer Gesellschaft in großartigen Kostümen, die sich voller Spielfreude in die Welt ihrer Urahnen hineindachten. Dass unter den Laienschauspielern Menschen waren die man kannte, machte die Sache für viele noch amüsanter. Und schließlich waren da die vielen köstlichen Dialoge, in denen die Autorin häufig all zu Menschliches und auch Anspielungen an das Heute verpackt hatte. Gleich die erste Kostprobe gab Ex-Bürgermeister Ditmar Haym, der mit dem Ruf: „Wir wollen keine Steuern nach Rötha mehr bezahlen“ aufständische Bauern aus den umliegenden Dörfern zur Bauernschlacht nach Frankenhausen führt.

Das liebe Geld, darum, ja darum geht es im 2017er Stück der Stadtraben vom Anfang bis zum Ende. Gabi Dietze spielt so hingebungsvoll wie überzeugend die Rolle des Ritters Heinrich von Pflugk, der seine Wirtschaft und offenbar auch seine Familie nicht im Griff hat und der obendrein recht freizügig mit den Talern umgeht. Schon etliche Schuldscheine liegen anstatt klingender Münzen in der Truhe mit dem Kirchenschatz (für den viele fleißige Helfer hunderte Kronkorken zusammen getragen haben), so dass es, wie er schließlich meint, auf einen weiteren nicht ankomme.

Pfarrer Benedict König (Ronald Ponert), der nur halbherzig der beginnenden Reformation zuneigt, lässt sich noch einmal auf den Handel ein. Sein Nachfolger Georgius Ebhardt, den Hans Joachim Keil mit großer Geste und kräftiger Stimme verkörpert, ist da schon von einem anderem Kaliber. Keinen einzigen Taler rückt er an Heinrich mehr heraus und prophezeit: „Das wird ein schlimmes Ende nehmen.“

Womit er, was den bald verhökerten Kirchenschatz, die von Pflugks und Rötha betrifft, bekanntlich nicht unrecht hatte, wie der Fortgang der Geschichte zeigte. Bis am Ende auf der Bühne Daniel Danz als Carol von Friesen auftritt und das Blatt, wie man auch weiß, wendete.

Das alles erzählen die Stadtraben mit Lust und ausgefeilter Tontechnik vor einer tollen Kulisse.

Nichts erinnerte mehr an den Abend zuvor, als dem einen oder anderen Akteur für einen Moment der Atem gestockt haben mag. Denn der plötzliche heftige Sturm riss gleich nach der gelungenen Generalprobe Bauzäune um, ließ Zelte einstürzen und fegte Teile der Kulissen hinweg. Am nächsten Morgen fassten Darsteller, Freunde und Bekannte mit an und verwandelten das Areal wieder in ein Freilufttheater. LVZ v. 21.08.2017

Veröffentlicht am 15.09.2017

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