Biotonne rollt in drei Etappen an – Müllgebühren

Biotonne rollt in drei Etappen an – Müllgebühren steigen

Kell verschickt 78 000 Schreiben an Grundstückseigentümer. Bei Eigenkompostierung ist Befreiung möglich.

Grafik: KELL

Landkreis Leipzig. Im Landkreis Leipzig wird ab dem kommenden Jahr Bioabfall getrennt von anderen Abfällen gesammelt. Speisereste, Blumensträuße, Grasschnitt – vieles, was Biomüll ist, muss dann nicht mehr im normalen Restmüll landen. Allerdings wird die Biotonne dafür nicht mit einem Schlag eingeführt. „Wir werden die Tonnen in insgesamt drei Etappen aufstellen“, erklärt Jens Adam, Geschäftsführer der Kommunalentsorgung Landkreis Leipzig (Kell) GmbH.

Wann die zusätzlichen Entsorgungsbehälter anrollen, steht mittlerweile fest: Ab März erhalten vorerst zehn Kommunen die Biotonne, ab Juni folgen weitere neun. Der größte Schwung wird ab September aufgestellt. Rötha hat die Tonne bereits.

„Der Landkreis Leipzig ist einer der letzten in Sachsen, der Bioabfälle noch nicht getrennt erfasst“, begründet Adam und beruft sich auf entsprechende Vorschriften. Bereits seit 2015, so sieht es der Gesetzgeber vor, sollen Bioabfälle aus Privathaushalten getrennt in die Tonne wandern. Was auch aus Sicht der Kell Sinn macht, ist nach bisherigen Erfahrungen doch immerhin die Hälfte des Restmülls biogenen Ursprungs.

Nach heftigen Debatten hatte der Kreistag im September 2018 der Einführung der Biotonne zugestimmt. In der seit 1. Januar 2019 geltenden neuen Abfallsatzung ist geregelt, unter welchen Voraussetzungen sich Grundstückseigentümer von dieser Pflicht befreien lassen können. In dieser Woche landen dazu Informationsschreiben in rund 78.000 Briefkästen.

„Wir schreiben alle Hausbesitzer an und teilen ihnen mit, wann in ihrer jeweiligen Kommune die Biotonne eintrifft.“ Dem Schreiben ist ein Antrag auf Eigenverwertung beigefügt. „Jeder, der Bioabfall auf seinem eigenen Grundstück kompostieren will, muss nur diesen Antrag ausfüllen und an uns zurückschicken“, betont Adam das einfache Prozedere. Dann wird das jeweilige Anwesen von der Biotonnen-Pflicht ausgenommen. Rund 6500 der 78.000 Adressaten sind Besitzer von Wochenendgrundstücken. „Bei diesen gehen wir davon aus, dass in der Regel kompostiert wird. Deshalb müssen Datschenbesitzer nichts tun, wenn sie keine Biotonne möchten.“ Auf Wunsch könnten jedoch auch diese Siedler eine Tonne erhalten.

Da der Kreis in weiten Teilen ländlich geprägt ist, geht die Kell davon aus, dass ein Großteil der Grundstückseigentümer ohne Biotonne auskommt. „Wir rechnen damit, dass rund 40 Prozent die Entsorgung über die Kell nutzen und der Rest selbst kompostiert.“ Um die erforderliche Behälter-Anzahl zu ordern, will sich die Kell mit ihren aktuellen Rundschreiben grundstücksgenau einen Überblick verschaffen. „Schätzungen gehen von etwa 30.000 Tonnen aus, die wir für den Landkreis benötigen“, so der Geschäftsführer.

„Die Anträge auf Eigenkompostierung müssen bis 30. September zurückgeschickt werden“, fügt Jens Adam hinzu. Da die Mitarbeiter am Unternehmenssitz in Großpösna mit einem stattlichen Aufkommen von rund 40.000 Anträgen rechnen, bitten sie in den nächsten Tagen um etwas mehr Geduld bei telefonischen Rückfragen.

Mit der Umstellung des gesamten Systems steigen die Abfallgebühren. Wer nicht selbst kompostiert, hat für die Biotonne eine deutlich höhere Festgebühr zu zahlen. Diese schnellt von derzeit 21,89 Euro pro im Haushalt lebendem Einwohner ab 1. Januar 2020 auf 45,23 Euro nach oben. In diesem Preis sind 26 Entleerungen im Jahr enthalten – also ein 14-tägiger Abfuhrrhythmus. „Hinzu kommt eine Behältermiete für die Biotonne von jährlich 5,55 Euro“, ergänzt Adam.

Wer sich vom Anschlusszwang befreien lässt, zahlt künftig 27,59 Euro pro Nase. Bereits seit 1. Januar 2019 hat sich die Festgebühr für alle auf 23,84 Euro erhöht. Allerdings komme die höhere Gebühr nicht allein durch die Biotonne zustande, argumentiert die Kell. Kostensteigerungen bei anderen Abfallarten würden hier ebenso einfließen. Um einen Anreiz zu schaffen, die Biotonne zu testen, sind die ersten drei Monate gebührenfrei. In Kommunen, die beispielsweise erst ab September ihre Tonnen erhalten, fallen damit 2020 noch gar keine Bio-Gebühren an. Die Gebührenpflicht setzt beispielsweise in Grimma, Geithain und Wurzen erst Anfang 2021 ein.

Was in die Tonne darf, darüber will die Kell ab 2020 auch betroffene Mieter umfangreich aufklären. Der Röthaer Modellversuch macht den Verantwortlichen jedenfalls Hoffnung. „In den meisten Tonnen landete eine gute biogene Fraktion“, bilanziert der Kell-Geschäftsführer. Probleme habe es unter anderem mit Katzenstreu, Asche und Bäckertüten mit Kunststoff-Fenstern gegeben – alles Dinge, die weiter in den normalen Restmüll gehören.

Umfangreiche Informationen zur Einführung der Biotonne und dazu, was hinein gehört, finden sich im Internet auf www.kell-gmbh.de

LVZ v. 06.09.2019

Veröffentlicht am 15.09.2019

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