Graffiti-Projekt des Jugendforums in Rötha

Papagei trifft Hase und Eichhörnchen in Rötha

Das Jugendforum macht’s möglich: Kinder gestalten ihre Stadt /  Trafohäuschen in der Güntzelstraße mit Siegerbild aus Wettbewerb verziert

 

Foto: André Neumann

Wo treffen sich ein Papagei, ein Hase und ein Eichhörnchen? In Rötha in der Güntzelstraße. Dort sind die fröhlichen Tiere seit dem Reformationstag auf einer Wand des Trafohäuschens des Energieversorgers Envia versammelt. Das bunte Wandbild, für das der Versorger das Gebäude ausdrücklich zur Verfügung stellte, ist das Ergebnis eines Graffiti-Projektes des Jugendforums (JuFo) Rötha.

Dessen Mitglieder freuen sich über die gelungene Aktion. Immerhin, sagt Miriam Roßa vom JuFo, hätten auf diese Weise zum ersten Mal Kinder die Möglichkeit gehabt, ihre Stadt mit zu gestalten. Und noch etwas hält sie für wichtig: Die Kinder hätten bei dem Projekt auch das Gefühl erlebt, von Erwachsenen respektiert zu werden. Denn das Bild, welches der Graffiti-Künstler und Seminar-Leiter Lino Sayah (23) mit drei Mädchen aus Rötha auf die Wand gesprüht hat, entstammt nämlich Vorschlägen von Kindern der Grundschule Rötha. Die Jugendlichen hatten die Kinder um Vorschläge für die Gestaltung des Trafohäuschens gebeten.

Zwanzig Bilder wurden eingereicht, eine Jury erkor drei davon als die schönsten aus. Das Siegerbild, der von der achtjährigen Fiona gemalte Papagei, sollte an die Wand gesprüht werden. Kurz vor Beginn wurde entschieden: Auch Charlotte und Lina, deren Bilder auf Platz zwei und drei gelandet waren, sollten sich mit ihren Vorschlägen auf der Trafohaus-Wand wiederfinden.

Deswegen ist der Papagei unterm Regenbogen nun nicht allein, sondern er hat Gesellschaft von Charlottes (9) Eichhörnchen, das auf dem Ast eines Baumes sitzt, und von Linas (9) Hasen.

Als die drei Mädchen, die mit sprühen durften, am Morgen die weißen Kittel und die Gummihandschuhe überstreiften, lag noch kalter Nebel in der Güntzelstraße. Lino Sayah, der freiberuflich für das Netzwerk für demokratische Kultur in Wurzen Graffiti-Seminare gibt, zeigte seinen jungen Mitstreiterinnen den Umgang mit den Farbspraydosen und ließ sie erst einmal auf Bildtafeln üben: Smileys, Halloween-Kürbisse und Schriften.

Schon bald durften die Mädchen auf der Wand arbeiten, und Fiona überdeckte mit den Umrissen ihres Papageien ein paar Schmierereien, die vorher auf der Wand waren. „Ich bin etwas später gekommen und habe das gleich gut gekonnt“, freute sie sich. Das fröhliche Gewusel vor dem Trafohaus zog auch einige Schaulustige an. Leute schauten aus dem Fenster und kamen runter, um kurz zuzuschauen, und Autofahrer guckten neugierig aus dem Fenster. Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos) kam für eine Weile vorbei, und auch Stadträtin Kerstin Hartmann (CDU-Fraktion) ließ sich sehen. Sie war einige derjenigen im Stadtrat, die zuletzt noch Bedenken gegen das Graffiti-Projekt geäußert hatten.

Bedenken, die Lino Sayah nicht teilen mag. Vor allem, weil das Projekt für ihn präventiven Charakter hat. „Die Kinder lernen bei ihrer ersten Begegnung mit Graffiti, dass es dafür legale Möglichkeiten gibt“, sagt er. Und er glaubt auch nicht, dass andere Graffiti-Sprüher das Bild verschandeln werden. „Die Wand ist jetzt gestaltet, das wird normalerweise von anderen Sprühern respektiert.“

Sechs leere Dosen und einige halbvolle packt der Künstler zum Schluss wieder in sein Auto. Ungefähr drei Liter Farbe wurden also versprüht. Zuvor ließ Sayah noch eine gelbe Sonne über dem Himmel erstrahlen, und die drei Grundschülerinnen durften sich mit ihren Namenskürzeln auf dem Bild verewigen.

Weitere Fotos vom Projekt

 

Veröffentlicht am 11.11.2019

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