Malteser betreiben in Rötha Erstaufnahme für Ukrainer

Heute ist offensichtlich vieles anders als in der Flüchtlingskrise 2015. Die LVZ darf sich die Einrichtung des Freistaates Sachsen anschauen.

Von André Neumann

„Eine sehr friedliche Einrichtung“: Felix Günther vom Malteser Hilfsdienst leitet die Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates in Rötha.

Rötha. Es musste alles ganz schnell gehen. Seit drei Wochen ist in Rötha eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) des Freistaates Sachsen für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Betrieb. Aber Felix Günther vom Malteser Hilfsdienst, der 29 Jahre alte Leiter der Einrichtung, kann sich noch ganz genau an den ersten Tag erinnern.

Es war Montag, der 8. März. Morgens, sagt Günther, kam ein Anruf, dass es in Rötha losgeht. Am Nachmittag, 15 Uhr, standen die Busse auf dem Platz vor der Plattenbau-Pension in der Erst-Thälmann-Straße. Acht, glaubt er, sind es gewesen. Der junge Mann, der seit acht Jahren mit Erstaufnahmeeinrichtungen zu tun hat, empfängt den Pressevertreter gut gelaunt an einem der Tische im weitläufigen, eingezäunten Hof vor dem Gebäude.

Allein schon diese Tatsache zeigt, dass diesmal vieles anders ist als damals, 2015 und 2016, als Hunderttausende Asylbewerber ins Land kamen. Damals herrschte viel größere Angespanntheit, mehr Misstrauen. Damals durfte ein Journalist nur in Ausnahmefällen einen Fuß über die Schwelle einer Flüchtlingsunterkunft setzen.

Wohnbereiche, Spielzimmer und Fernsehräume

Mittlerweile wohnen 205 Menschen in dem sechsstöckigen Gebäude, das Platz für 300 bietet. Um die Mittagszeit ist der Hof leer, die Bewohner sind beim Essen. Das bekommen sie in Assietten. Sie können den Speisesaal nutzen, ihr Essen aber auch mit auf die Zimmer nehmen. Die Pension besteht aus Zimmern mit Bädern und aus Appartements mit mehreren Räumen.

Deswegen, sagt Günther, würden hier nur Familien untergebracht. Mit Zustellbetten passen bis zu zehn Menschen in eins der größeren Appartements. Es gibt Spielzimmer und Fernsehräume. Einige der vielen Kinder sind die Ersten, die sich nach dem Mittag auf dem Hof sehen lassen. Sie spielen Tischtennis, Fußball, fahren Roller, tollen herum.

Bald wird sich der Hof auch wieder mit Frauen und Männern füllen, die hier in der Nachmittagssonne sitzen, reden, gewiss auch noch ihre Erlebnisse in der Heimat und seit der Flucht verarbeiten. Mehr gibt es ja nicht zu tun. Die Menschen dürfen aber das Gelände verlassen, müssen sich dazu nur beim Wachdienst abmelden.

Unternehmen stellt WLAN und kostenlose SIM-Karten

„Das ist hier eine sehr sehr friedliche Einrichtung“, sagt Felix Günther, der schon anderes erlebt hat. Damit meint er sowohl die dem Krieg Entkommenen als auch die Umgebung, die Nachbarn. „Das harmoniert alles.“

Aus der Bevölkerung kommen sehr viele Angebote zur Hilfe und Unterstützung, sagt er. So intensiv habe er das noch nicht erlebt. Gleich in der ersten Woche haben Röthaer ganze Familien mitgenommen und privat untergebracht. Zwei Räume, in denen Spenden, hauptsächlich Bekleidung gesammelt werden, sind schon voll. Auch ein großes Mobilfunkunternehmen hilft. Dank dem gibt es jetzt überall in der Einrichtung kostenlos ein leistungsfähiges WLAN, und die Bewohner haben für zunächst drei Monate kostenlose SIM-Karten erhalten.

Von der nahe gelegenen Grundschule ist das Signal gekommen, dass man dort gern die Kinder unterrichten würde, sagt Günther. Und es haben sich auch schon Firmen gemeldet, die Mitarbeiter suchen. Allerdings sei man noch nicht so weit, vor allem, weil die EAE ja keine dauerhafte Unterbringung ist. Letzteres liege in den Händen der Landkreises, und dort müssen dann auch solche Fragen geklärt werden wie der Schulbesuch der Kinder.

Nur Menschen mit ukrainischem Pass

In der Pension, versichert der Einrichtungsleiter, sind tatsächlich ausschließlich Ukrainer untergebracht, also Menschen mit ukrainischem Pass. Dennoch, bestätigt er Beobachtungen von Röthaern, könnten Menschen mit anderer Hautfarbe darunter sein, bei denen eine andere Herkunft vermutet werden könnte. Er selbst habe mit einer Frau aus Afrika gesprochen, die ihm erzählte, dass sie vor Jahren als Flüchtling in die Ukraine gekommen war und nun schon wieder von dort vor dem Krieg fliehen musste.

Während sich der Hof langsam füllt, wischen Cornelia Hülse und Ahmad Zahedi im Speisesaal die Tische ab und richten die Stühle. Auch sie tragen Jacken der Malteser. „Wir sind ein junges Team“, sagt Rainer Schumacher, Referent für Flüchtlingshilfe bei der katholischen Hilfsorganisation. Die Mitarbeiter kamen zuerst aus der Haupteinrichtung der Malteser in Dölzig, einem Schkeuditzer Ortsteil. Es seien aber auch schon Leute aus Rötha und Böhlen eingestellt worden.

Dienstag, 29. März 2022 Lokales  - André Neumann

 

Veröffentlicht am 08.05.2022

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